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South Island
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Nach dem Start meines Neuseeland Aufenthaltes in Wellington habe ich mich mit Uschi und Reni getroffen, um mit ihnen die Südinsel zu bereisen. Die zwei Girls besuchten ihre Patenkinder einer nach Neuseeland ausgewanderten Schweizer Familie und wollten in dieser Zeit auch das Land ein bisschen bereisen. Grosszügigerweise stellten uns Peter und Yvonne ihr Familien-Auto für die 17-tägige Tour zur Verfügung.
Poerua River Aufgrund guter Wettervorhersagen für den Westen haben wir uns entschieden, zuerst diese Küste zu bereisen. Durch die stetigen Westwinde stauen sich häufig Regenwolken an den Alpen, die die Südinsel von Norden nach Süden durchziehen. Dieser Wolkenstau beschert der Westküste massiv mehr Niederschlag als der Ostseite, was sich auch in einer komplett unterschiedlichen Vegetation bemerkbar macht, die mich in ihrer Vielfalt mehrmals überraschte. Von verschiedenen Erzählungen glaubte ich, grundsätzlich eine schweizähnliche Landschaft anzutreffen. In Wirklichkeit findet man zwar satte, grüne Wiesen mit grasenden Kühen und Schafen, hügelige Landschaften, Schneeberge und sogar Gletscher, auf der anderen Seite gibt es aber auch karge, dürre Gebiete und regenwaldähnliche Buschlandschaften mit den für Neuseeland typischen Farnbäumen, die nun wirklich nicht ins Bild der Schweiz passen. Vermutlich macht aber gerade diese Mischung dieses Land so einzigartig und speziell.

Pancake Rocks Nach der nächtlichen Überfahrt mit der Fähre auf die Südinsel durchquerten wir in der Morgendämmerung zuerst spärlich besiedeltes Landwirtschaftsgebiet, bevor wir die Westküste bei Westport erreichten. Auf dem Weg Richtung Süden fuhren wir über eine kurvenreiche Strasse der gebirgigen Küste entlang, welche mit buschähnlichem Wald mit vereinzelt blühenden Pflanzen bewachsen war. In diesem Küstenabschnitt befinden sich auch die Pancake Rocks: Hokitika Gorge Diese Felsen verdanken den Namen ihrer Gestalt, die an aufgeschichtete Omeletten erinnern. Da sich über ihre Entstehung die Wissenschaftler noch heute nicht im Klaren sind, verzichte ich auf einen Erklärungsversuch. Unser nächster Halt galt dem Ort Hokitika, der Hochburg des Jade- bzw. Grünsteins. Neuseeland ist eine der wenigen Plätze auf dieser Erde, wo es Grünstein gibt. In verschiedenen Ateliers kann man den Jadeschnitzern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen: Von Schmuck über Brieföffner bis zur Kopie der America's Cup Trophäe wird hier alles hergestellt und (insbesondere den Touristen) zum Kauf angeboten. Nicht jadegrün, sondern eher türkisfarben ist das Wasser, welches sich durch die nahegelegene Hokitika Gorge schlängelt. Der richtige Ort, um ein bisschen inne zu halten und sich vom "Reisestress" zu erholen..

Franz Josef Glacier Ein paar Kilometer weiter südlich lässt die Schweiz wieder grüssen: Im Gebiet des Mount Cook (mit 3'755 Meter der höchste Berg Neuseelands) befinden sich die beiden Gletscher Franz Josef und Fox. Zwei Tage zuvor habe ich in einem Backpacker ein paar Schweizer getroffen, die die Gletscher schon besucht hatten. Sie haben uns das Wandern auf denselben wärmsten empfohlen. Folglich fragte ich sie, was den gegenüber den Schweizer Gletschern so speziell sei. Nun, die Frage konnten sie mir nicht beantworten, da manche Eidgenossen erstaunlicherweise um die halbe Welt fliegen, um einmal einen Gletscher aus nächster Nähe zu sehen.. Um genügend Zeit für anderes, in der Schweiz nicht zu sehendes zu haben, haben wir nur eine kurze Wanderung zum unteren Ende des Franz Josef Glacier unternommen. In einem (nicht sichtbaren) Punkt unterscheiden sich diese Gletscher jedoch von den unseren: Aufgrund der verhältnismässig hohen Niederschlagsmenge (im Durchschnitt 5'000 mm Regen pro Jahr gegenüber 2'500 mm in den Schweizer Bergen) ist der Druck von oben sehr hoch und zusätzlich sind die Gletscher selbst relativ steil. Daraus resultiert eine "schnelle" Fliessgeschwindigkeit von bis zu fünf Metern pro Tag! Der schnellste Schweizer Gletscher schafft nur knapp 0.5 Meter.

Wanaka Etwas weiter südlich haben wir die Westküste verlassen und uns über Land Richtung Dunedin bewegt, wobei wir in Wanaka einen längeren Halt einlegten. Wanaka liegt am gleichnamigen See und ist umgeben von Hügeln, die auch als Gebirge bezeichnet werden könnten. Mit seiner kleinen Strandpromenade und den paar wenigen Cafés und Shops hat uns dieser gemütliche Ort zum Verweilen eingeladen. Nach dieser "Verschnaufpause" haben wir uns an hunderten von Schafen vorbei nach Dunedin an der Ostküste begeben. Apropos Schafe: Neuseeland zählt nur vier Millionen Einwohner dafür jedoch rund 40 Millionen Schafe. Wer aber Lust auf Schafskäse hat, muss detektivische Fähigkeiten entwickeln: sogar der Feta wird hier ausschliesslich aus Kuhmilch hergestellt! Schafe werden hier vor allem der Wolle und des Fleisches wegen gehalten. Produkte aus Schafsmilch sind weitgehend nicht zu finden. Leyland In Dunedin haben wir kurz Halt gemacht, um uns für den Besuch der Otago Halbinsel vorzubereiten, wobei unsere Einkaufstour durch starken Regen und anschliessend knietief überschwemmte Strassen behindert wurde. Insbesondere Uschi und Reni hatten mit den Wassermassen zu kämpfen, als sie auf dem Rückweg vom Supermarkt zum Parkhaus plötzlich venezianische Strassen vorfanden. Der Einkauf blieb zum Glück trocken, was man hingegen von Leib und Kleidern nicht behaupten konnte. Die anschliessende Fahrt zu unserem Backpacker in der Portobello Bay gestaltete sich durch überschwemmte und teilweise mit Geröll übersäten Strassen eher abenteurlich. Dort angekommen erwartete uns die nächste, aber diesmal positive Überraschung: Unser "Zimmer" war ein alter, umgebauter Leyland-Personenbus! Das Leben in diesem Bus war sehr gemütlich und zudem hatten wir ungehinderte Sicht auf's Meer..

brütender Albatross Die Otago-Halbinsel ist bekannt für ihr vielfältiges Tierleben: Albatrosse, Yellow-Eyed- und Blue-Pinguine sowie Seehunde und Seelöwen können hier aus nächster Nähe beobachtet werden. Zuerst statteten wir der Albatrosskolonie am östlichen Ende der Halbinsel einen Besuch ab: Im Royal Albatross Centre hatten wir die Möglichkeit, vieles über die hervorragenden Gleiter (Flügelspannweite bis zu drei Metern) zu erfahren. Leider hat sich die Zahl dieser prächtigen Vögel in den letzten Jahrzehnten bedrohlich reduziert, da sie einerseits nur alle zwei Jahre ein Junges aufziehen können (Brüten und Aufzucht des Jungen ca. 300 Tage und danach folgt ein Jahr auf See) und andererseits die Fangmethoden der Hochseefischer für den Tod von unzähligen dieser Vögel verantwortlich sind (Sinkleinen mit Fischködern, die nur langsam sinken und so den Albatrossen ermöglichen, nach dem Auswerfen vom Schiff nach den Ködern zu tauchen. Oft werden die Tiere danach am Angel in die Tiefe gezogen und ertrinken). Glücklicherweise ändern die Fangmethoden langsam und immer weniger Albatrosse werden Opfer von Hochseefischern.
In freier Natur konnten wir uns danach von den Flugkünsten dieser Vögel begeistern lassen, die stundenlang, ohne Flügelschlag, über längere Strecken gleiten können. Albatrosse können übrigens nur bei genügend Wind fliegen, da sie ohne nicht starten können. Es war deshalb amüsant zuzusehen, wie sie bei nur schwachem Wind Mühe bekundeten, erfolgreich abzuheben.

Yellow-Eyed- Penguin Unser weiteres Interesse galt den Yellow-Eyed-Pinguinen: Diese Pinguinart ist sehr selten und daher äusserst bedroht. Eine private Organisation kümmert sich deshalb an der Penguin Beach um deren Wohlbefinden, indem die Ranger ihnen Nistgelegenheiten bauen, sich um kranke Tiere kümmern, Fallen für Feinde stellen und natürlich schauen, dass ihnen die Menschen nicht zu nahe kommen. Diese Pinguine verbringen den Tag nach Beute jagend im Meer und kehren vor der Dämmerung zu ihren angestammten Plätzen zurück. Yellow-Eyed-Pinguine sind ca. 70 cm gross, fünf bis sechs kg schwer, haben eine Lebenserwartung von ca. 15 Jahren (sie können aber auch bis 30 Jahre alt werden) und sind (paarweise) einzelgänger. Sie bevorzugen ihr "Heim" so zu wählen, dass sie möglichst ausser Sichtweite eines anderen Artgenossen sind.

Sandfly Bay 2 Ein weiterer Besuch auf der Otago-Halbinsel widmeten wir der Sandfly Bay: Entgegen dem Namen wurden wir da nicht von Sandfliegen belagert und konnten so ungetrübt die gebotenen Schönheiten der Natur geniessen. Sandfliegen sind aber in Neuseeland generell ein Thema: Diese winzig kleinen Fliegen lieben es, wie Mücken zu stechen und Blut zu saugen. Im Gegensatz zu den Mückenstichen heilen jedoch die Sandfliegenstiche viel langsamer und hinterlassen bei intensivem Kratzen sogar kleine Narben. Wer Neuseeland also ungestört geniessen will, tut gut daran, sich sporadisch mit Insektenschutzmittel zu parfümieren.

Ungefähr 100 km nördlich von Dunedin hatten wir Gelegenheit, in Oamaru Blue Pinguine zu beobachten. Da diese nur knapp 50 cm grossen Vögel sehr scheu sind und erst nach Einbruch der Dunkelheit an Land kommen, war Fotografieren nicht möglich. Wir haben deshalb den Anblick linsenfrei genossen und uns von ihrem Geschnatter bezaubern lassen..

Christchurch Unser nächstes Ziel war Christchurch. Diese Stadt wird oft die meist englische oder auch die Gartenstadt genannt. Diesen Ruf verdient sie sich vor allem mit ihrem Baustil, den so typisch englischen Strassennamen aber auch durch die alten Trams, die durch die Stadt rattern. Sehr gemütlich ist auch ein Spaziergang am Avon River, dessen Ufer parkähnlich gepflegt sind. Sporadisch schippert ein Gondoliere mit Touristen über den kleinen Fluss und versprüht so einen Hauch Venedig (trotz ihrem Ruf, die meist englische Stadt Neuseelands zu sein..).

upset Seal Weiter nordwärts haben wir Kaikoura angesteuert. Dieser, bis vor ein paar Jahren kleine Ort, zieht heute die Touristen in Scharen an, um auf organisierten Trips Wale und Delphine zu beobachten oder gar mit ihnen zu schwimmen. Reni hat sich die Chance nicht entgehen lassen und an einer Dolphinwatching Tour teilgenommen, da sie vorher noch nie welche gesehen hatte. Mit einem Strahlen im Gesicht ist sie nach ein paar Stunden wieder zurückgekehrt..
Das südliche Küstenende von Kaikoura gehört den Seals (Seehunden), die dort eine Kolonie haben. Da dies keine künstliche Kolonie und daher "normales" Wildlife ist, sind keinerlei Absperrungen vorhanden und man kann diese Tiere jederzeit ungehindert besuchen. Hinweistafeln weisen aber darauf hin, dass man immer einen Mindestabstand von fünf bis zehn Metern einhalten und sich nie zwischen Seal und Ufer stellen sollte, um eine panische Reaktion des Tieres (und als Folge auch des Menschen) zu vermeiden. Trotz vorsichtiger Distanzabschätzung bin ich wohl einem Seehund etwas zu nahe getreten. Nachdem er mir grollend seine Beisserchen gezeigt hatte und den Abstand zwischen uns verkleinerte, habe ich ihm Mangels furchterregenden Gebisses meine Schuhabsätze gezeigt und so wieder für genügend Distanz gesorgt..

Abel Tasman 1 Abel Tasman 2 Als Abschluss und Krönung unserer Südinsel-Reise haben wir noch den Abel Tasman Nationalpark besucht. Dieser Park befindet sich im Nordwesten der Insel und besitzt atemberaubende Buchten und Strände, sowie viele Wanderwege. Übernachtet haben wir auf einer Art Farm, wo wir den Frühstückstisch (unfreiwillig) abwechslungsweise mit Gockeln, Hühnern und Küken, Enten, Straussen oder anderen gefiederten Tieren teilen mussten. Irgendwas kam immer entlang gegackert, um nach Krümeln oder anderem Ausschau zu halten.
Um die bezaubernde Uferlandschaft besser geniessen zu können, haben wir an einer Kanutour teilgenommen: Ein wunderbares Erlebnis, durch das blaue Wasser den Buchten und hellen Sandstränden entlang zu paddeln. Im Anschluss an die Kanufahrt haben wir uns zu Fuss in den Abel Tasman begeben und verschiedene Wald- und Buschlandschaften, die je nach Lage eher mediterran oder auch regenwaldähnlich waren, durchwandert. Diese Abwechslung und die sporadische Aussicht auf malerische Buchten, goldene Strände und tiefblaues Meer, lässt uns den Besuch dieses Nationalparkes noch lange in guter Erinnerung behalten.


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01-170205; Erstellungsdatum: 12. März 2005; Letztes Aktualisierungsdatum: 19. März 2005 © Peter Baumgartner 2005